Historische Entwicklung des Bielefelder Stadtgrüns
Die Wallanlagen, die die mittelalterliche Stadt umgaben und von der damals noch unbebauten Umgebung abgrenzten, können als die ersten zusammenhängenden Grünanlagen der Stadt angesehen werden. Nachdem im 18. Jahrhundert die alten hufeisenförmigen Wallanlagen für die Befestigung der Stadt keine nennenswerte Bedeutung mehr hatten, begann man mit dem Verfüllen des Binnengrabens und der Bepflanzung mit Bäumen.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt über die ehemaligen Wallanlagen hinaus. Diese selbst wurden zu Grünanlagen umgestaltet und z.T. alleeartig bepflanzt. Sie behielten dieses Erscheinungsbild im Wesentlichen bis zum Zweiten Weltkrieg. In der Folgezeit fielen wesentliche Flächen Verkehrsprojekten zum Opfer. In den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte mit der Alleebepflanzung des „grünen Stadtrings“ wieder eine Aufwertung der ehemaligen Wallanlagen.
Die Entwicklung des Bielefelder Grünflächensystems erfolgte im Wesentlichen seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1907 trat der erste Bielefelder Gartendirektor Paul Meyerkamp sein Amt an. Er verfolgte das Ziel einer zusammenhängenden Gesamtdurchgrünung der Stadt. Neben der Anlage einiger größerer Parkanlagen (1911 Baubeginn Sennefriedhof, 1912 Ausbau Botanischer Garten, 1920 Baubeginn Bürgerpark) wurden die Bachtäler als Grundelemente des Grünflächensystems erkannt und durch ergänzende Grünzüge vernetzt.
Im Bauzonenplan aus dem Jahre 1927 sind neben dem Teutoburger Wald und den Wallanlagen im Osten des Stadtgebietes Grünzüge entlang der Lutter und des Baderbaches dargestellt, im Westen bilden Schloßhofbach, Grenz- und Gellershagenbach sowie Teile des Johannisbaches im Norden Ansatzpunkte für die Ausbildung zusammenhängender Grünzüge.
Dieses Gesamtkonzept wurde durch den Nachfolger von Paul Meyerkamp, den Gartenbaudirektor Dr. Hans-Ulrich Schmidt, ab 1947 konsequent erweitert und umgesetzt. Auch in Zeiten größter wirtschaftlicher Not in den Nachkriegsjahren wurde das Ziel einer Gesamtgrünkonzeption für die Stadt nicht aus den Augen verloren und wo möglich realisiert (z.B. Grünzug zur Sparrenburg südlich der Kreuzstraße).
Leitgedanke dabei war, eine gute Erreichbarkeit der Grünflächen aus den Wohngebieten zu gewährleisten, die Grünanlagen untereinander zu vernetzen und an die umgebende Landschaft sowie den Teutoburger Wald anzubinden. Durch die Anlage von Wegen in den Grünanlagen konnte so ein umfangreiches, grünbestimmtes Wegenetz abseits der stark befahrenen Straßen geschaffen werden. Die Ausstattung der Grünanlagen mit Spiel-, Bolzflächen und Sportanlagen sowie die Einbeziehung von Kleingärten und Friedhöfen bereicherten das Nutzungsangebot.
Ab 1976 erfolgte die Weiterentwicklung und Umsetzung der zuvor skizzierten grünplanerischen Ziele unter der Leitung von Gartenbaudirektor Alfred Gehrke. Auf diesem Wege entstand ein insbesondere im Bielefelder Westen beispielhaft ausgebildetes netzförmiges Grünsystem, das in Fachkreisen hohes Ansehen genießt.
Auch heute ist die Entwicklung des Bielefelder Grünflächensystems noch nicht abgeschlossen. Bei der Ausweisung neuer Baugebiete erfolgt, soweit hierfür Bedarf besteht, auch die planerische Festsetzung von Grünflächen. Aufgrund der Finanzknappheit der Stadt geschieht die Umsetzung der Maßnahmen im Regelfall durch Investoren, wobei nach Fertigstellung der Anlagen diese an die Stadt übergehen.
Auf der anderen Seite ist die Stadt Bielefeld wegen der Finanzknappheit jedoch auch gezwungen, in größerem Umfang als in der Vergangenheit Grundstücke zu veräußern. Zudem besteht insbesondere im innerstädtischen Bereich ein hoher Druck anderer Nutzungsansprüche (Verkehr, Bebauung) auf noch vorhandene Grünflächen.
Hier muss in Zukunft verstärkt das Augenmerk darauf gerichtet sein, das über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren entwickelte Grünflächensystem in seinem Bestand für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Darüber hinaus gilt es in Zukunft dafür Sorge zu tragen, dass bei weiterer Siedlungsentwicklung die Grünflächenentwicklung angemessen Schritt hält und insbesondere die Anbindung des innerstädtischen Grünsystems an die umgebende Landschaft erhalten bleibt.
Situationsanalyse: Vielfalt von Stadtgrün in Bielefeld
Bielefeld weist aufgrund seines gut ausgebildeten Grünsystems und seiner Vielfalt an Landschaftsformen gute Voraussetzungen für Naturerleben, Wohlbefinden und Erholung auf. Landschaftlich profitiert Bielefeld vor allem durch seine Lage am Teutoburger Wald. Mit diesem Mittelgebirgszug, der im Stadtgebiet Höhen bis 320 m über NN erreicht, seinem Wechsel von Wald und Flur, Berg und Tal und weichen Geländekonturen inmitten des Stadtgebietes hat Bielefeld Anteil an einer der beliebtesten deutschen Erholungslandschaften. Dieser Bedeutung trägt die Zugehörigkeit des Teutoburger Waldes zu zwei Naturparken Rechnung.
Aber auch die Einbettung in das Ravensberger Hügelland mit seinen zahlreichen Bachtälern im Norden und die Sennelandschaft mit ihrem charakteristischen kleinräumigen und vielseitigen Nutzungsmosaik im Süden machen einen wesentlichen Reiz der Bielefelder Landschaft aus. So sind 39 % des 25.775 ha umfassenden Stadtgebietes landwirtschaftlich genutzte Fläche, während die Waldfläche 19,1 % des Stadtgebietes umfasst (Daten von 2002).
Im besiedelten Bereich durchziehen die Grünzüge netzartig das Stadtgebiet und verbinden die Wohngebiete mit der umgebenden Landschaft und dem Teutoburger Wald. Gleichzeitig gliedern sie das Stadtgebiet und bieten der Bevölkerung wohnungsnah gelegene Erholungsmöglichkeiten im Grünen. Parkanlagen bilden größere innerstädtische Grünflächen und schaffen somit Nutzungsschwerpunkte im grünbestimmten Freiraum für die Wohnbevölkerung der umliegenden Wohnquartiere. Neben intensiv gestalteten Grünflächen mit Rasenflächen im Wechsel mit Baum- und Ziergehölzpflanzungen tragen viele naturnah belassene Grünflächen zur Vielfalt des innerstädtischen Grünsystems bei. Dementsprechend werden Nah- und Grünanlagen, die derzeit eine Fläche von 1200 ha umfassen, häufig und vielfältig genutzt und leisten einen Beitrag zur Verbesserung des Wohlbefindens, wie die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen.
Insgesamt entspricht das Bielefelder Grün mit folgenden Eigenschaften nahezu dem Idealbild einer Großstadt im Grünen: Viel Grün, Vielfalt der Landschaftselemente, Abwechslungsreichtum der Landschaftsbilder, sanftes Relief, offener Baumwuchs in parkähnlichem Gelände, gewundene Wege mit schöner Aussicht, natürliche Gewässer, Ruhe und frische Luft.